WillowCreek (www.willowcreek.org, www.willowcreek.de) ist im freikirchlichen Umfeld ein bekannter Begriff. Auf der Internetseite www.revealnow.com lädt WillowCreek zu einem Gespräch über geistliches Wachstum ein. Eine Einladung darüber nachzudenken, wie effektiv ein Kirchen-/Gemeindeprogramm Menschen hilft, in Ihrer Beziehung zu Jesus zu wachsen.
WillowCreek startete diesbezüglich eine Umfrage unter 1000en von Kirchen-/Gemeindebesuchern. Das Ergebnis war ernüchternd. Greg Hawkins berichtet schonungslos ehrlich über seine eigenen persönlichen Kämpfe und über das Ergebnis dieser Umfrage. Und auch Bill Hybles berichtet auf einer Leiterkonferenz über diese Umfrage und wie das Ergebnis ihn regelrecht schockierte.
Eine ihrer Schlussfolgerungen ist: “We should totaly rethink, how we do church“. Auf deutsch: “Wir müssen von Grund auf neu überdenken, we wir Gemeinde machen (tun).” Aber ich frage mich, ob das der richtige Ansatz ist, neu zu entdecken, wie Gemeinde neu “gemacht” werden kann.
Meiner Ansicht nach geht es doch viel mehr darum, Gemeinde nicht mehr machen zu wollen, sondern Gemeinde einfach zu leben! … in den Beziehungen zu leben und zwar zusammen mit Jesus. Wie Gemeinde aussieht, und wie sie Gestalt gewinnt, das können wir getrost Jesus überlassen. Er hat das ja auch selbst gesagt: “Ich werde meine Gemeinde bauen!” … und an anderer stelle heißt es, dass er uns als lebendige Steine in seinen Bau einfügen wird.
Aber vielleicht führt diese Umfrage ja auch dorthin, dass nicht wieder ein neues Programm entsteht, das für Gemeinde steht, sondern, dass Gemeinde gelebt wird.
Nachtrag: Ich bin heute (27.10.2007) noch über etwas gestoplert, deshalb ein kleiner Nachtrag:
Im Forum von “The God Journey” schreibt jemand:
Is re-organization what is needed? Systems need re-organized on a regular basis. Life in Jesus….following the Spirit, is wild and unpredictable and I just don’t know how that can be contained within a system….well organized or not.
Ist Neu-Organisation das, was nötig ist? Systeme müssen regelmäßig neu-organisiert werden. Leben in Jesus … dem Geist Gottes folgen, das ist wild und unberechenbar und ich weiß nicht wie das Bestandteil eines Systems sein kann … gut organisiert oder nicht.
Interessanter Gedanke! Das erinnert mich an ein paar Worte von Jesus:
Wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen … Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.
Ein Kennzeichen von Nachfolgern Jesus ist, dass sie ähnlich wie der Geist Gottes nicht bestimmbar bzw. berechenbar sind. Sie sind wie der Wind, man kann sie nicht einfach in eine Schublade stecken! … oder vielleicht auch anders ausgedrückt: Man kann sich nicht in ein Programm stecken.







Am Anfang einer Gemeinde steht oft eine Gemeinschaft Weniger, die informell und rein beziehungsorientiert ist. Man kennt sich. Man teilt das Leben miteinander. Man betet zusammen. Alles in einem familiären Kontext. In dem Moment aber, wo die Gemeinde „gegründet“ wird, Satzungen und Statuten formuliert werden, Geld verwaltet und Mitgliederlisten geführt werden müßen, sich auf die Erfüllung einer Vision festgelegt werden muß, wofür Strategien zu erarbeiten sind, um das Dasein der neuen Gemeinde zu rechtfertigen und zu definieren, da beginnt der familiäre Geist der Vertrautheit zu schwinden und sich zu ersetzen durch ein System, welches durch Anweisung, Planung und kontrollierte Durchführung funktioniert, der man zuarbeitet und nicht durch Liebe, Glauben und Hoffnung, die man teilt. Man muß sich nicht mehr kennen, man muß nur gehorchen und eben nach Vorgabe „funktionieren“. Eigentlich ist das Unternehmen nach dem Muster einer militärischen Operation gestrickt. Ganz im Gegenteil zu eine Familie… Jetzt gibt es eine Hierarchie mit oben und unten, Befehl und Gehorsam, Stellen und Arbeitsbeschreibungen.
Das muß man wissen, wenn man sich aufmacht, „Gemeinde zu bauen“. Denn das Leben in einer Institution ist etwas ganz anderes als das Leben in einer Familie – auch wenn sich dieses Institut Gemeinde nennt. Ganz egal, was eine Gemeinschaft auch versuchen mag: im Moment der Vereinsgründung, des „öffentlich Werdens“, der Einrichtung eines Büro´s, usw. hört sie auf, Familie zu sein.
Gott baut aber keine Firma sondern eine Familie. Er ist Vater und nicht Vorstand.
Menschen können nur in Familien leben, nicht in Firmen. Familien können wohl eine Firma gründen, aber Firmen keine Familien. Eine Familie kann einen Betrieb führen, aber ein Betrieb keine Familie. Auch eine geistliche Familie kann einen geistlichen Dienst führen, aber ein geistlicher Dienst keine geistliche Familie. Das muß uns klar sein. Denn wenn wir früher oder später enttäuscht sind von „unserer Gemeinde“, dann hat das oft gar nichts mit den Menschen darin zu tun, sondern alles mit der Struktur, die auf tun programmiert ist und nicht auf sein. Familie tut man nicht, Familie ist man. Firma aber ist man nicht, sondern tut man.
Eine institutionalisierte Gemeinde kann keine Familie sein und keine Familie produzieren nach dem Motto: „Laßt uns Familie bauen!“ Ganz im Gegenteil wird sie in Konkurrenz zur Familie stehen und Ansprüche erheben, die die Familien belasten werden. Klingt krass, ist aber reich belegt. Wenn aber eine Familiengemeinschaft ihre Gemeinschaft als geistliches Familienunternehmen führt, wird alles gut gehen und die Gemeinschaft den Geist der Vertrautheit und Zusammengehörigkeit behalten und niemals durch ein „Programm“ in Konkurrenz zu sich selbst treten.
Es ist, als wollte die Gemeinde in der institutionalisierten Form die Familie aus der Familie in die Gemeinde holen, anstatt die Familie die Gemeinde sein zu lassen.
Ja genau! Gut gesagt
Aber wie sieht das für Dich aus, wenn “eine Familiengemeinschaft ihre Gemeinschaft als geistliches Familienunternehmen führt“? “Geistliches Familienunternehmen” klingt für mich noch immer etwas seltsam!
Ja, wirklich. Das klingt seltsam… In dem Moment, als ich es schrieb, war mir alles klar…
Die Frage war mir, wie eine Familie produktiv ist, ohne dabei eine Institution in dem beschriebenen Sinne zu werden, also eine Art Firma, die in Gefahr steht, ihren Familiengeist zu zerstören… Vielleicht müßen die Wörter „ihr“ und „als“ umgestellt werden – und dann stimmt es.: „Wenn aber eine Familiengemeinschaft ALS Gemeinschaft IHR Unternehmen führt…“
Die Frage ist ja immer, wo die Identität sitzt. Ist das, was wir TUN der natürlich Ausfluß aus dem, was wir SIND oder ist unsere Sein Ausdruck von dem, was wir tun? Zweiteres ist nichts anderes als Leistungsorientiertheit und führt zu Heuchelei, indem wir mehr und anderes tun, als wir wirklich sind. Hier setzte die Kritik Jesu bei den Pharisäern an. Und als Programm- und Ergebnisorientierte Gemeinde stehen wir in Gefahr, es genauso zu machen. Wir zeigen auf das, was wir alles an Diensten TUN und sagen: „Schaut, wie gut wir SIND.“ Ich glaube, bei Gott liegt die Sache andersherum. Eine fromme Handlung beweist noch nicht, daß ich fromm bin. Bin ich aber fromm, wird die Handlung es entsprechend auch sein. Er möchte nicht, daß wir wer weiß wie viel tun, sondern wer weiß wie viel sind. Aus dem Sein fließt das Tun ganz von alleine und ohne die Notwendigkeit von endlosen Appellen, wie man das so sehr von der institutionalisierten Gemeinde gewohnt ist.
Dies erinnert mich an den alten Spruch: Viele arbeiten für Gott und wenige mit Gott.
In einer Familie will ein Kind immer „mit Papa“ arbeiten. In einer Firma arbeiten man gewöhnlich für den Chef. In der Familie muß man sich die Zugehörigkeit nicht erarbeiten und durch ständige Leistung beweisen. Siehe das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Man kann idealer Weise Ruhe finden… Und bekanntlich liegt die Kraft in der Ruhe.
Es ist uns befohlen, in die Ruhe Gottes einzukehren, die dort explizit als „Ruhe von den eigenen Werken“ bezeichnet wird. (Hebräer 4.9-10). Und aus dieser Ruhe in Gott fließt die Inspiration und Ermächtigung, die von Gott selbst schon vorbereiteten Werke zu tun (Epheser 2.10). SEINE Werke, nicht UNSERE Werke.
Vielleicht sind wir Deutschen besonders anfällig für Leistungsorientiertheit. Unsere Sonntage gleichen so gar nicht einem Sabbat, in dem alle Aktivitäten eingestellt werden und wir unsere Identität in Gott in der Ruhe festigen und kultivieren. Oft ist gerade der Sonntag „volles Programm“ und wir verlieren uns an all das Viele, was zu tun ist. Damit wird es zum Götzen, denn es ersetzt Gott.
Hallo,
mein Kommentar bezieht sich auf den Ausgangsartikel.
Das Problematische an der dargestellten Problematik ist, das Menschen versuchen, durch interessante Programme, spannende Predigtinszenierungen und künstlerisch hervorragende Musikdarbietungen etwas zu schaffen, was auf diesem Wege einfach nicht geht.
Wir können geistliche Leben nicht schaffen! Auch wenn ich selbst seit Jahren, direkt und ganz persönlich mit Jesus lebe, Sein Handeln und Reden direkt erlebe, kann ich dies nicht weitergeben, so wie ich meinen Kindern das Lesen beibringe.
Natürlich kann ich davon erzählen, aber es wird für den Gegenüber immer nur eine Erzählung sein, die er durch den Filter seiner Wahrnehmungsfähigkeit aufnimmt.
Ja, da können sogar die größten Glaubenswunder geschehen – wo ich so direkt und wunderbar Gottes direktes Handeln erlebe – und für den direkt neben mir lebenden sind es nur eine “seit Jahren anhaltende Verkettung von Zufällen”!
Jemand sagte mir einmal: Auch, wenn das größte Wunder geschehen würde, er würde doch nicht daran glauben, dass dies Gottes Antwort auf meinen Glauben sei.
Wir – als Menschen – können absolut nichts tun, damit ein Anderer Gott erkennen und aus Glauben leben kann.
Nein, und unsere perfekten Inszenierungen mögen zwar große Massen anziehen… und bestimmt auch eine gewisse Begeisterung hervorrufen… aber an die persönliche Ebene “Gott-Individuum” kommen wir nicht heran.
Ja, jemand kann sogar ein begeisterter Pastor sein, der sich voller Eifer für die Sache der Gemeinde und seiner Herde aufreibt, und kann trotzdem nicht eine persönliche Beziehung zu Jesus haben.
Die Lösung hierfür ist einfach – Jesus hat sie selbst gesagt:
Gott ist Geist – und wahre Anbeter müssen Ihn in Geist und wahrheit anbeten (Joh. 4)
Alles was wir hier auf dieser Erde wahrnehmen und produzieren ist immer auf dem Level der geschaffenen Schöpfung (… ja, auch dann wenn wir es – mit unseren Worten auch als “geistlich” belabeln).
Fleisch bringt eben nur Fleisch hervor… daran ändern Bibelschulen und alle unsere Aktivitäten nichts.
Auch wenn wir uns selbst nicht schonen… ist es nur eine Aktion auf unserem irdischen Level!
Um in Gottes Augen etwas zu erreichen, langt IHM durchaus der unwürdigste Vertreter. Deshalb hat Gott das erwählt was nichts vor der Welt ist (das was uns eben nicht beeindruckt!).
Geistliches Leben können wir noch nicht einmal bei uns selbst fördern… geschweige denn bei anderen Menschen.
Geistliches Leben ist eine souveräne Gabe Gottes!
Er gibt es wem Er will, wie Er will, denn – unabhängig von dem was wir Menschen denken – ER hat gesagt:
Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.
Ich weiß, dass das der heute sehr verbreiteten Freie-Wahl-Theologie widerspricht, aber egal was wir auch für Theologien erfinden werden, es wird sich an Gottes Handeln nichts ändern! Der Geist weht, wie ER will!
In dem Scheitern unserer Programme liegt Gottes gnädiges Handeln. Trotz aller Frustration, die dies mit sich bringt, ist es doch notwendig.
Gott muss uns auch in unserem Werk für IHN scheitern lassen, damit wir formbar werden um Sein Werk in uns hervorzubringen.
Geistliches Leben entsteht nur im Tod meines Fleisches – so war es gewesen und so
wird es auch weiterhin sein. Und alle Willowcreeks, Torontos und Lakelands werden an dieser Wahrheit nichts ändern.
So, was ist das erste Anzeichen für echtes geistliches Leben?
Der Scherbenhaufen unserer Bemühungen, unserer Programme. Dort am Ende unserer Selbst begegnen wir der Liebe Gottes und ab dann gilt dann: … nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!
Egal, wie diese “Christus-in-mir-leben” dann aussehen mag – es ist die Voraussetzung dafür, dass Gott durch mich geistliches Leben weitergeben kann.
Ob das dann Tausende oder nur einzelne sind, ist völlig egal. Dies obliegt alleine Seiner Planung. Ich werde glücklich sein, egal wie mein Leben hier auf Erden verlaufen wird… und… ganz wichtig!… auch egal, was andere über mich denken und sagen werden.
Wir müssen dahin kommen, dass wir unsere persönliche Jesusbeziehung leben.
Solange wir menschenorientiert planen und handeln, rauben wir Gott den IHM zustehenden Vorrang. Das hat immer die Folge der geistlichen Armut… auch wenn wir uns mal wieder so richtig super gefühlt haben.
Es ist lediglich ein Gefühl… aber keine lebensverändernde und bleibende Realität, die auch dann noch hält wenn das Wetter stürmisch und feindlich wird.
Wir brauchen keine großen Kongresse und Konferenzen, wir brauchen keine Super-Programme und Mega-Churchs. Das alles lenkt nur ab!
Es reicht absolut aus, wenn Du und ich es wagen, mit Jesus jeden Tag zu leben.
Wir werden unseren Gott dort kennenlernen… ja, in den kleinen Erfolgen und Fehlern unseres geistlichen Lebens. Wir werden Stück für Stück weniger und Er wird durch uns größer werden.
Wenn Du Deinen Jesus nicht in der Einsamkeit kennst, wirst Du IHN auch nicht in einer Gruppe finden können.
Wahre Gemeinschaft untereinander ist immer das Produkt echter, persönlicher Jesus-Nachfolge – und nie das Ergebnis einer Gruppenzugehörigkeit oder eines gewissen Programmes.
Je mehr wir Jesus kennen, desto erfüllendere Gemeinschaft werden wir mit dem jenigen haben, der auch Christus kennt… und alle andere Gemeinschaft, sei sie auch noch so hochgelobt, hinterlässt nur den schalen Nachgeschmack eines Rausches.
Hallo,
ja, das sind gute und interessante Kommentare. Wenn das Gemeinde-Programm versagt, ist es dann wirklich die Lösung, ein anderes Programm aufzustellen? Oder sollte man es nicht endlich wagen, das Programm aus der Hand zu geben und Jesus wieder Herr seiner Gemeinde sein zu lassen? Soweit ich mich erinnere, hat Jesus gesagt: “ICH will meine Gemeinde bauen”, nicht “IHR sollt sie bauen und programmieren”.
Sei gegrüßt “christlicher Aussteiger”
Ganz richtig! Auf diesem Weg bin ich gemeinsam mit meiner Familie nun seit einigen Jahren. Und es ist schon erstaunlich wie anders wir heute Gemeinde leben und erleben.
Gottes Segen wünsche ich Dir und Deiner Familie in Peru, wo das Alltagsleben sicher ganz anders verläuft als hier bei uns in Niederbayern.
Shalom,
Guido